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7. Dezember 2023 | 07:00 Uhr
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Corona-Learning: Zu viel Theorie, zu wenig Praxisnähe

Was soll die Langzeitpflege aus der Corona-Pandemie lernen? Das wollte das Bundesgesundheitsministerium auf einer Veranstaltung mit Experten und Praktikern herausfinden. Und es wurde kontrovers diskutiert. Mehr und einheitlich Regeln fordern die einen, mehr Entscheidungsfreiheit in den Einrichtungen die anderen. Wenig Praxistauglichkeit wurde vielen Regeln bescheinigt, weshalb künftig der Berufsstand der Pflege mit am Tisch sitzen müsse.

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In Berlin diskutieren gestern Praktiker und Experten, welche Lehren die Langzeitpflege aus der Corona-Pandemie ziehen sollte

"Wir leben in einem Zeitalter der Pandemien", sagt Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach. Grund sei der Klimawandel, der das Risiko von Infektionen steigen lasse. Es gebe auf der Erde mehr als 10.000 Viren, die von Tieren auf Menschen überspringen und eine neue Pandemie auslösen könnten. Darauf müsse man besser vorbereitet sein als auf Corona und "Lehren aus der Corona-Pandemie und zukünftige Krisenresilienz in der Langzeitpflege" ziehen, wie das Event am Mittwoch in Lauterbachs Ministerium überschrieben war.

Was dort an Problemanalysen auf den Tisch kam, war meist wenig neu. Am Anfang der Pandemie fehlten in den Einrichtungen vor allem Schutz- und Hygieneausrüstung, was die Pflegekräfte erheblichen Gefahren aussetzte. Große Probleme bereiteten den Heimen auch die harten Vorgaben zum Infektionsschutz und zur Isolation. Ausbrüche ließen traumatisierte Pflegekräfte zurück.

Gespräche mit Pflegeeinrichtungen und eine Analyse von Veröffentlichungen zum Thema legten einige Handlungsfelder offen:

  • Die Einrichtung sahen sich mit der Regelungsflut und ihrer Umsetzung überfordert. Vor allem, weil sie selbst für Experten oft nicht verständlich waren. Hier gibt es den klaren Wunsch nach einer externen Stelle, die Verordnungen in verständliche Praxisanleitungen übersetzt.
  • Die Digitalisierung und Entbürokratisierung wird als weiteres wichtiges Handlungsfeld betrachtet. Hier gibt es den Vorschlag für eine zentrale digitale Plattform und Schnittstelle für Informationen sowie Meldung, Dokumentation und Monitoring von Ausbrüchen. Schließlich soll die Vernetzung aller Beteiligten vorangetrieben werden.
  • Für das Problem Infektionsschutz versus soziale Teilhabe wünschen sich die Einrichtungen mehr individuelle Entscheidungskompetenz. Sie könnten die Situation vor Ort am besten einschätzen und die freiheitseinschränkenden Maßnahmen minimieren.
  • Beim Thema Hygiene sind die Einrichtungen der Auffassung, dass sie hier bereits genug tun und keine weiteren Vorschriften brauchen. Sinnvoll seien aber praktische Anleitungen und Wissensvermittlung zum Thema. 

Gegen die Überlastung des Pflegepersonals gab es auch von den Experten keine wirklichen Lösungsvorschläge.

Klar war hingegen der Wunsch nach bundesweit einheitlichen Regeln. Dass jedes Bundesland andere Vorschriften erlasse, trage nur zur Verunsicherung bei. Auch das Durcheinander der Zuständigkeiten von Behörden in den Bundesländern wurde bemängelt. Hier sei jetzt die Zeit, klare und einheitliche Zuständigkeiten festzulegen.

Pascal Tschörtner vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (BPA) erinnerte an das leidige Thema Impfpflicht für die Pflegeberufe. Sie habe nach der Aufgabe der allgemeinen Impfpflicht viel Ärger bereitet. "Was gesamtgesellschaftlich nicht vermittelt werden kann, darf nicht auf die Pflege abgeladen werden."

Gesundheitsminister Lauterbach hörte dies alles nicht, denn er musste nach seinem Grußwort zurück an den Schreibtisch, um an der Lösung der Haushaltskrise zu arbeiten. Er versprach allerdings, sich die Ergebnisse seiner Veranstaltung von seinen Mitarbeitern reporten zu lassen.

Die Ergebnisse der Literaturauswertung und der Befragung der Einrichtungen können kostenlos beim Pflegenetzwerk Deutschland heruntergeladen werden

Thomas Hartung

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