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12. März 2024 | 07:00 Uhr
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Generalistische Ausbildung braucht Kooperationen

Die Erfahrungen und Meinungen zur generalistischen Ausbildung in der Pflege gehen auseinander. Die Altenpflege hält sie für einen großen Fehler, zeigte jüngst eine Care-vor9-Umfrage. Die Breite der Wissensvermittlung gehe zu Lasten der Kompetenz, meinen auch Mitglieder der Ruhrgebietskonferenz Pflege, die zu einem Online-Ausbildungsgipfel eingeladen hatte. Doch es gibt auch positive Beispiele und Befürworter. Doch das scheint eine Frage der Größe zu sein.

Ausbildung Azubis iStock Andrei Orlov.jpg

Generalistik-Azubis sind nach der Prüfung nicht in der Lage, selbstständig zu arbeiten, sagen Praktiker

"Die Generalistik ist geil", sagt etwa Jens Fritsch, Geschäftsführer der Diakonie Ruhr. Sie ist einer von vier Partnern, die sich zum Evangelischen Ausbildungsverbund Ruhr zusammengetan haben. Dieses Jahr will man gemeinsam 70 Auszubildende für die Pflege gewinnen, vom nächsten Jahr an 80 jedes Jahr. 

Allein die Zahlen zeigen, dass es bei der Generalistik auf Größe oder Netzwerk ankommt. Gemeinsam gehen die Partner an die Öffentlichkeit und übernehmen das Recruiting. Dem Ausbildungsverbund gehören Pflegeheime, Pflegedienste und Krankenhäuser an, sodass die generalistische Ausbildung quasi aus einer Hand kommt.

Der Ausbildungsverbund kann auch international auf Nachwuchssuche gehen. Zwei Mitarbeiter kümmern sich ums Integrationsmanagement, so der Koordinator des Ausbildungsverbundes, Alexander Wilker. Die Azubis aus dem Ausland brauchen Visa, Wohnungen, Sprachkurse und Hilfe, sich in Deutschland zurechtzufinden. 

"Natürlich holen wir uns damit auch Probleme ins Haus", sagt Wilker, aber die seien lösbar und die Vielfalt ein Gewinn. Er findet es zudem leichter, junge Menschen auszubilden, als erfahrene Fachkräfte anerkennen zu lassen und zu integrieren. Aktuell geht das Konzept des Ausbildungsverbunds auf.

Fritsch sieht denn auch in solchen regionalen Netzwerken und Kooperationen einen Hebel, die Generalistik erfolgreich umzusetzen. Die Gretchenfrage sei allerdings, wer eine Zusammenarbeit unter den Playern vorantreibt? Einzelkämpfer hätten es mit der generalistischen Ausbildung schwer.

Dies war auch der Tenor einer Umfrage von Care vor9 im Januar. Über 70 Prozent der rund 400 teilnehmenden Entscheider aus der Altenpflege hielten danach die Generalistik für einen Fehler. Einige haben die Ausbildung deshalb sogar aufgegeben. Beklagt wurden viele Abbrecher und die Schmalspurausbildung. 

Ähnliche Antworten erhielt auch die Ruhgebietskonferenz Pflege im Vorfeld ihres Online-Ausbildungsgipfels. "Die Breite in der Ausbildung geht offenbar zu Lasten der Kompetenzvermittlung. Nach drei Jahren Ausbildung sind die wenigsten neu-examinierten Mitarbeitenden in der Lage, selbstständig und eigenverantwortlich zu arbeiten", so ein bedrückendes Fazit. 

Eine andere Erkenntnis: Über 40 Prozent der Schüler brechen die Ausbildung ab oder erreichen das Ausbildungsziel nicht in den vorgesehenen drei Jahren. Immerhin erreichen 15 Prozent das Ausbildungsziel durch eine Verlängerung der Ausbildungszeit und eine spätere Prüfung. So neigen denn auch einige Praktiker und Schulen zu einer Verlängerung der Ausbildung. Ob das die Ausbildung attraktiver macht, scheint fraglich.

Thomas Hartung

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