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5. Mai 2026 | 16:29 Uhr
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GKV mit Studie zu explodierender Pflegebedürftigkeit

Warum steigt die Zahl der Pflegebedürftigen seit 2017 so stark? Eine Studie im Auftrag des GKV-Spitzenverbands bestätigt jetzt wissenschaftlich, was Pflegekassen seit einiger Zeit immer wieder sagen: Haupttreiber ist der ausgeweitete Zugang durch den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff – nicht die Alterung. Die Gutachter des Iges-Institut in Berlin (Foto) empfehlen, die Schwellenwerte zu prüfen. Das stützt Pläne von Gesundheitsministerin Nina Warken, den Zugang zu niedrigeren Pflegegraden zu verschärfen.

Das mit der Studie beauftragte Iges-Institut in der Berliner Friedrichstraße forscht und berät zu Gesundheitsfragen

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Der GKV-Spitzenverband hat seine bereits 2025 angestoßene Untersuchung zur Entwicklung der Pflegebedürftigkeit abgeschlossen. Das mit der Studie beauftragte Iges-Institut liefert ein klares Ergebnis: Der starke Anstieg seit der Reform 2017 ist vor allem politisch gewollt und systembedingt. 

Schon damals hatten Kassen darauf hingewiesen, dass der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff mit fünf Pflegegraden deutlich mehr Menschen leistungsberechtigt macht. Die jetzt vorgelegte Studie des Iges-Instituts sollte diese These wissenschaftlich überprüfen und mögliche weitere Einflussfaktoren identifizieren.

Pflegebedürftige sind jünger, weniger beeinträchtigt und länger im System

Die Zahlen fallen deutlich aus: Seit 2017 ist die Zahl der Erstanträge auf Pflegeleistungen um 25,9 Prozent gestiegen. Der Anteil der Pflegebedürftigen an allen gesetzlich Versicherten erhöhte sich von 4,6 auf 7,6 Prozent. Insgesamt hat sich die Zahl der Leistungsbezieher in diesem Zeitraum nahezu verdoppelt.

Laut Studie lässt sich dieser Anstieg nicht durch die demografische Entwicklung erklären. Stattdessen zeigt die Analyse eine Verschiebung beim Zugang: Immer häufiger stellen jüngere und weniger stark beeinträchtigte Menschen Anträge. Drei Viertel der erwachsenen Antragsteller erhalten Pflegegrad 1 oder 2 und verbleiben entsprechend lange im System. Auch bei unter 18-Jährigen ist ein Anstieg zu beobachten, er spielt für die Gesamtentwicklung aber eine untergeordnete Rolle.

Zugang jetzt leichter als 2017 von Wissenschaftlern empfohlen

Für den GKV-Spitzenverband bestätigt sich damit die zentrale Annahme: Der 2017 eingeführte Pflegebedürftigkeitsbegriff hat den Zugang bewusst erleichtert – stärker als ursprünglich von Wissenschaftlern empfohlen.

GKV-Vorstandschef Oliver Blatt spricht von einem grundsätzlich gut funktionierenden Zugang, sieht aber, dass die Finanzierung immer schwieriger wird. In einem solidarischen System müsse sichergestellt werden, "dass diejenigen Hilfe bekommen, die wirklich darauf angewiesen sind".

Die Gutachter empfehlen deshalb, die Schwellenwerte für die Einstufung in die Pflegegrade zu überprüfen. Genau hier setzt die Politik bereits an: Gesundheitsministerin Nina Warken hat kürzlich angekündigt, den Zugang insbesondere zu den niedrigeren Pflegegraden künftig restriktiver zu gestalten.

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