Häufige Fehler beim Recruiting internationaler Pflegekräfte
Pflegeeinrichtungen investieren viel Geld in die Gewinnung internationaler Fachkräfte – und wundern sich später, wenn sie nach der Anerkennung weiterziehen. Dabei lassen sich viele Fehlbesetzungen schon im Recruiting vermeiden, sagt Jessica Brunea (Foto), Geschäftsführerin des Integrationsspezialisten Globogate. Sie rät, genau hinzuhören, ob Bewerber wirklich in der Altenpflege arbeiten möchten. Gute Erfahrungen macht das Unternehmen unter anderem mit Pflegekräften aus Indien und Usbekistan.
Globogate
Jessica Brunea rät dazu, die künftige Mitarbeiterin gut kennenzulernen: Welche Art von Pflege liegt ihr? Braucht sie Großstadtluft oder liebt sie die Ruhe in ländlichen Regionen?
Nicht jede internationale Pflegefachkraft passt automatisch in jedes Pflegeheim. Nach Ansicht von Jessica Brunea, Geschäftsführerin von Globogate, beginnt erfolgreiche Integration lange vor der Einreise. Entscheidend sei das sogenannte "Perfect Match": Nicht nur die Einrichtung müsse zur Fachkraft passen, sondern auch umgekehrt.
Viele Bewerber nähmen zunächst das erste Angebot an, das ihnen den Weg nach Deutschland eröffne. Erst nach der Anerkennung überlegten sie, wo und in welchem Bereich sie eigentlich arbeiten möchten. Deshalb sollten Einrichtungen im Bewerbungsgespräch gezielt nachfragen: Möchte die Pflegekraft wirklich in die Altenpflege? Passt ein ländlicher Standort zu ihren Lebensvorstellungen? Gibt es bereits Familie in Deutschland, die später einen Wechsel wahrscheinlich macht?
Weniger ratsam: Herkunftsländern mit akademisch geprägter Pflegeausbildung
Nach den Erfahrungen von Globogate eignen sich insbesondere Indien, Usbekistan und Indonesien für die stationäre Altenpflege. In Indien existieren bereits Altenheime und entsprechende Berufserfahrung. In Usbekistan ähnelt sowohl die Pflegeausbildung als auch das Pflegeverständnis dem deutschen System. Indonesische Pflegekräfte entscheiden sich ebenfalls häufig bewusst für die Langzeitpflege. Vietnam hält Brunea ebenfalls für vielversprechend, verweist dort aber noch auf vergleichsweise wenige eigene Erfahrungen.
Von Herkunftsländern mit stark akademisch geprägter Pflegeausbildung und hoher Orientierung auf die Akutmedizin rät sie dagegen eher ab. Dort sei die Wahrscheinlichkeit größer, dass Pflegekräfte nach der Anerkennung in ein Krankenhaus wechseln möchten. Aber es komme auch auf die Motivation an. Aussagen wie "Ich möchte Menschen langfristig begleiten und ihren Alltag mitgestalten" seien ein gutes Zeichen dafür, dass sich jemand bewusst für die Altenpflege entschieden habe.
Kontakt schon pflegen, wenn die künftigen Mitarbeiter noch in ihrer Heimat sind
Brunea empfiehlt außerdem, den Kontakt schon während der Sprachkurse im Herkunftsland eng zu halten. Online-Treffen mit dem späteren Team, Videos aus der Einrichtung oder WhatsApp-Gruppen stärkten die Bindung frühzeitig. Nach der Anerkennung sei die Integration keineswegs abgeschlossen. Jetzt gehe es darum, soziale Kontakte außerhalb der Einrichtung zu fördern und berufliche Entwicklungswünsche einzugehen: etwa Praxisanleitung, Wundmanagement oder eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung. Denn gerade in dieser Phase entscheide sich oft, ob internationale Pflegekräfte dauerhaft bleiben.
Kirsten Gaede