"Hört auf mit falschen Gehaltsvergleichen"
In der vergangenen Woche berichtete Care vor9, dass die Caritas die höchsten Gehälter zahlt. Wir zitierten dabei aus dem Vergütungsvergleich des Verbands Katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD). Helmut Wallrafen (Foto), Geschäftsführer der Sozial-Holding der Stadt Mönchengladbach, hat jedoch nachgerechnet und widerspricht: "Der Vergleich stimmt nicht, kommunale Einrichtungen zahlen besser." Er wolle keinen Wettkampf, "aber bei aller Not muss endlich Schluss sein damit, falsche Gehaltsvergleiche heranzuziehen".
Sozial-Holding
Der Personalwettbewerb dürfe nicht dazu führen, dass die Wahrheit verdreht wird, sagt Sozial-Holding-Chef Helmut Wallrafen
"Ich finde es wenig dienlich und konstruktiv, wenn einmal die Diakonie und einmal die Caritas behaupten, sie würden die höchsten Löhne zahlen", so Wallrafen. Hier würden Äpfel mit Birnen verglichen. Nach wie vor würden nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) die höchsten Gehälter gezahlt.
Laut VKAD erhalten Pflegefachkräfte bei der Caritas in Vollzeit durchschnittlich mit 4.407 Euro. "Wir entlohnen sie mit 4.594 Euro", sagt Wallrafen. Doch dieser Durchschnittswert sage nichts aus. "Wenn ich zehn Pflegefachkräfte im Alter von 30 Jahren beschäftige, dann ist deren Durchschnittsgehalt niedriger als dann von zehn Beschäftigten, die 60 Jahre alt sind."
Zum Gehalt zählen aber auch andere Leistungen. So zahle die Caritas nur 50 Prozent der Kosten der Zusatzversorgungskasse, so Wallrafen. Seine Sozial-Holding hingegen übernehme bei einer Pflegefachkraft in Vollzeit, die seit fünf Jahren dort arbeite, den kompletten Beitrag zur Zusatzversorgungskasse. "Das sind monatlich 263,50 Euro", sagt der Geschäftsführer. Auch bei der jährlichen Sonderzahlung gebe es im öffentlichen Dienst mehr Sicherheit, dass diese auch gewährt werde.
Letztlich gehe es ihm aber nicht darum, wer mehr bezahle, sagt Wallrafen. "Es zählt doch längst nicht mehr nur das Gehalt. Wir werben schon lange nicht mehr allein mit dem TVöD." Andere Faktoren seien für die Beschäftigten mindestens genauso wichtig.