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21. August 2023 | 07:00 Uhr
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"Krankenhaus-Reform wird ohne ambulante Pflege scheitern"

In den theoretischen Gedankenspielen von Karl Lauterbachs Krankenhausreform soll der ambulanten Pflege eine gewichtige Rolle zukommen. Doch Fachleute aus der Praxis warnen, die Initiative Ruhrgebietskonferenz-Pflege schlägt Alarm: "Die Krankenhausreform wird ohne die häusliche Pflege scheitern." Pflegedienstbetreiber Christian Westermann (Foto) erklärt, warum.

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Pflegedienstbetreiber Christian Westermann sieht die ambulante nicht auf den steigenden Bedarf durch die Krankenhausreform vorbereitet

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Mit der Reform des Gesundheitsministers sollen bekanntlich Prävention und ambulante Versorgung vor Ort gestärkt werden, um die Kliniken zu entlasten. Eigentlich ein sinnvoller Ansatz. Doch Christian Westermann vom Pflegedienst "Engel vonne Ruhr" aus Mülheim erklärt, dass dieser Gedanke ohne die Einbeziehung der ambulanten und stationären Pflege zum Scheitern verurteilt sei. "Die ambulante pflegerische Versorgung ist konzeptionell und strukturell nicht auf den steigenden Bedarf an Versorgung und Spezialisierungen vorbereitet", so Westermann. Sein Unternehmen ist Mitglied der Initiative Ruhrgebietskonferenz-Pflege, die sich unter anderem für die Interessen der Pflegedienste einsetzt. 

Aktuell fehle es vor allem an Kommunikation und Kooperation. Roland Weigel, Koordinator der Ruhrgebietskonferenz-Pflege mahnt: "Wenn die Krankenhausreform gelingen soll, brauchen wir viel mehr interdisziplinäre und bereichsübergreifende Zusammenarbeit. Das fängt schon bei der Beteiligung der Pflegedienste bei der Planung zur Ausgestaltung der Reform an und sollte Routine in der Versorgungsplanung vor Ort in den Kommunen sein. Im Moment fühlen wir uns aber diesbezüglich von der Politik vergessen." Sein Fazit ist hart: "Die Krankenhausreform wird ohne die Einbeziehung der häuslichen Pflege und der Träger der Langzeitpflege scheitern."

"Jetzt sind die Kostenträger der Politik dran"

Angeführt wird dabei das Beispiel der Wundversorgung. Eine effektive und geplante Wundversorgung sei der Schlüssel zur Vermeidung von Infektionen, zur Beschleunigung der Genesung und zur Minimierung von schlimmen und teuren Langzeitfolgen. Doch obwohl die Anforderungen an die Qualität des Personals und der Professionalität der handelnden Akteure in einer HKP-Richtlinie festgeschrieben sind, fehle es nach wie vor an einer damit verbundenen Vergütungsvereinbarung. Rund 1.500 Euro koste die Zusatzqualifikation zum Wundexperten, knapp 4.000 Euro die zum Fachtherapeuten berichtet die Ruhrgebietskonferenz-Pflege. Christian Westermann hat diese für seine Angestellten bezahlt, und sie für die Dauer der mehrtägigen Weiterbildungen freigestellt. "Meinen Part habe ich erledigt", sagt er. "Jetzt sind die Kostenträger und die Politiker dran."

Er kritisiert, dass die professionelle Wundversorgung nach wie vor von den Kassen wie reguläre Pflegeleistungen vergütet werden. "Qualität und sinnvolle Spezialisierung hat ihren Preis, und im Moment zahlen wir nur drauf", sagt Westermann. So werde in Zukunft kaum ein Pflegedienst die Wundversorgung übernehmen können, geschweige denn Personen freiwillig zu Experten fortbilden – mit der Folge, dass mehr und mehr Patienten abgelehnt werden. Die Unterversorgung spitze sich zu und der Mangel werde zur Routine. Erst recht, wenn durch die Krankenhausreform die Versorgung verstärkt in der Häuslichkeit der Betroffenen stattfinden soll.

Roland Weigel: "Wir haben schon heute unsichtbare Warteschlangen vor den ambulanten Pflegediensten." Die häusliche Versorgung werde vollends zusammenbrechen, wenn nicht rechtzeitig Konzepte zur Stärkung der ambulanten Spezialversorgung entwickelt und ausreichend finanzielle Mittel dafür bereitgestellt würden.

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