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13. Juli 2026 | 21:07 Uhr
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Milliardenkosten durch Hygienemängel in Angehörigenpflege

Immer mehr Pflegebedürftige werden ausschließlich von Angehörigen versorgt – oft ohne Unterstützung eines Pflegedienstes. Eine Studie der Universität Heidelberg und der Thurn und Taxis Consulting sieht darin ein Risiko: Wissenslücken bei Hygiene und Infektionsschutz führen nach Einschätzung der Autoren zu vermeidbaren Infektionen, Krankenhausaufenthalten und jährlichen Folgekosten von mindestens 6,1 Milliarden Euro. Die Forscher fordern deshalb mehr Schulungs- und Beratungsangebote für pflegende Angehörige.

Eine besonders häufige Komplikation ist die Pneumonie, oft verursacht durch das Bakterium Pneumococcus

Inzwischen werden 4,9 Millionen pflegebedürftige Menschen zu Hause versorgt, 3,1 Millionen sogar ausschließlich durch Angehörige laut Statischem Bundesamt. Anders als in der professionellen Pflege gibt es für die häusliche Versorgung jedoch keine verbindlichen Hygienestandards. Gleichzeitig zeigten sich erhebliche Wissenslücken, so die Autoren, etwa beim Umgang mit Kathetern, der Wundversorgung oder medizinischen Geräten wie Verneblern.

Besonders häufig seien schwere Komplikationen wie Pneumonien, Sepsis oder infektiöse Durchfallerkrankungen, die oft mit einem Krankenhausaufenthalt einhergehen. Die direkten Behandlungskosten schätzt die Studie konservativ auf rund 6,1 Milliarden Euro pro Jahr bei 630.000 Fällen. Hinzu kämen 2,7 Milliarden Euro an Produktivitätsverlusten, weil pflegende Angehörige wegen solcher Komplikationen häufiger ihrer Arbeit fernbleiben müssten.

Nur 16 Prozent der Angehörigen informieren sich in Pflegekursen   

Die Autoren plädieren deshalb für ein tiefergehendes Verständnis von Infektionsprävention in der häuslichen Pflege. Pflegehilfsmittel allein reichten nicht aus. Wichtig seien niedrigschwellige Beratungsangebote, bessere Schulungen und eine stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger. Es geht aber auch darum, die Angehörigen überhaupt zu erreichen: Die Wissenschaftler zitieren ein Umfrageergebnis des Angehörigen-Portals pflege.de, das besagt, dass sich nur 16 Prozent der pflegenden Angehörigen in regelmäßigen Pflegekursen informieren. 63 Prozent vertrauen allein aufs Internet.       

Die Studie ist keine epidemiologische Messstudie. Es handelt sich um eine Modellrechnung auf Basis von Literatur, Befragungen, Interviews und ökonomischen Annahmen. Die Ergebnisse sind in jedem Fall beunruhigend, weil viele Pflegeanbieter gerade beobachten, dass Angehörige aus Kostengründen das Pflegegeld für andere Dinge als die Pflege ausgeben. Den ambulanten Diensten sei es aber kaum möglich, Pflegebedürftige, die nur noch den Sachleistungsbetrag für die ambulante Pflege aufbringen wollen, ausreichend zu versorgen, sagte Kerstin Pröse, Bereichsleitung der Diakoniestationen des Diakonisches Werks Gladbeck-Bottrop-Dorsten kürzlich im Gespräch mit Care vor9.