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11. Februar 2026 | 21:23 Uhr
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Pflege spielt in Warkens Digitalstrategie eine Nebenrolle

In der Digitalisierungsstrategie, die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken am Mittwoch vorgestellt hat, findet die Pflege kaum statt. Im Titel des Papiers steht zwar "Gesundheitswesen und Pflege", doch pflegespezifische Ansätze gibt es nicht. Langzeitpflege wird "weiterhin nur am Rand mitgedacht", kritisiert der Verband Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB). Tatsächlich sind Digitale Gesundheitsanwendungen (Diga) genannt, Digitale Pflegeanwendungen (Diga) finden aber in der Strategie nicht statt.

Die elektronische Patientenakte ist das Kernstück der Digitalisierungsstrategie

"Die Langzeitpflege muss als eigenständiger Sektor berücksichtigt werden, damit Digitalisierung dort im Alltag ankommt", sagt Thomas Knieling, Geschäftsführer des VDAB. Entscheidend sei, dass "die Pflege von Anfang an mit ihrer spezifischen Perspektive einbezogen wird, wenn es um Standards, Anwendungen und die Umsetzung in der Praxis geht". Das sehe er aber nicht, kritisiert Knieling.

Um die ePA kommt niemand Gesundheitswesen und in der Pflege herum

Kern der Digitalisierungsstrategie aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) sind der Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA) und des E-Rezepts sowie die Telemedizin. Die ePA soll als "digitaler Begleiter" weiterentwickelt werden. Vorgesehen sind Funktionen wie die Vermittlung von Arztterminen, die Überweisung zu einem Facharzt oder die digitale Ersteinschätzung. Derzeit nutzen jedoch erst vier Millionen Versicherte die ePA. In vier Jahren will Gesundheitsministerin Warken diese Zahl auf 20 Millionen verfünffachen.

Der Einsatz von künstlicher Intelligenz, insbesondere die KI-gestützte Dokumentation, soll in der Gesundheits- und Pflegeversorgung zum Standard werden und "administrative Effizienzgewinne und spürbare Entlastung für Fachkräfte" bringen. Bis 2028 will Warken eine aktive Nutzung KI-gestützter Dokumentation in über 70 Prozent der Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen erreichen.

BMG will Modellprojekte in Telemedizin und Telepflege fördern

Telemedizin spielt in der Digitalisierungsstrategie ebenfalls eine große Rolle. Im Jahr 2024 gab es laut BMG bereits 2,5 Millionen Videosprechstunden. Seit dem Ende der Corona-Pandemie steigt die Zahl wieder an. Die Versorgung aus der Ferne bietet großes Potenzial. Hier soll auch die Telepflege ausgebaut werden. Das Ministerium will entsprechende Modellvorhaben in der Pflege fördern.

Um die Digitalisierung voranzutreiben, soll die Rolle der Gematik gestärkt werden. Die mehrheitlich dem Bund gehörende Agentur soll "mehr Durchgriffsrechte" erhalten, damit vereinbarte Standards und Regelungen konsequenter umgesetzt werden können.

Warkens Digitalisierungsstrategie soll bis Ende März in einem Referentenentwurf für das "Gesetz für digitale Versorgung und den Gesundheitsdatenraum" vorgelegt werden. Details dazu sind in dem 30-seitigen PDF „Gemeinsam digital 2026” zu finden, das auf der Website des BMG verfügbar ist. 

Thomas Hartung

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