Tägliche News für das Management von Pflege und Wohnen im Alter

15. Juni 2026 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Was Pflegechefs zu Warkens Reformentwurf sagen

Offensichtlich ist nicht alles schlecht, was Gesundheitsministerin Nina Warken in ihr Pflegeneuordnungsgesetz geschrieben hat. Anders als die Empörungswelle der Verbände vermuten lässt, erkennen einige Geschäftsführer von Pflegeeinrichtungen auch Chancen und zeigen Verständnis. Care vor9 hat auf den Management-Parkgesprächen der Wibu-Gruppe im Bayerischen Reichenschwand recht unterschiedliche Stimmen von Entscheidern aus der Praxis eingefangen.

Deutschland Berlin Bundestag iStock Eminaldo.jpg

Das Pflegeneuordnungsgesetz wird demnächst den Bundestag beschäftigen, Chefs von Pflegeeinrichtungen sehen es nicht nur kritisch

Anzeige

Effiziente Mobilität: Leasing ist mehr als eine Kostenfrage

In der Pflegebranche und bei karitativen Trägern zählt jeder Euro und jede Minute. Der Spagat zwischen dem Anspruch, eine erstklassige Betreuung zu gewährleisten, und dem Zwang, wirtschaftlich zu arbeiten, ist alltäglich. Eine entscheidende, aber oft unterschätzte Stellschraube für mehr Effizienz ist das Fuhrparkmanagement. Care vor9

Steffen Hehner, CEO von Alloheim: "Wenn viele darüber meckern, kann es so schlecht nicht sein, war meine erste Reaktion auf den Gesetzentwurf. Es ist ein Gesetz, das einem Mangel an Steuergeldern geschuldet ist. Deshalb entspricht es auch nicht den Erwartungen. So ist die Herausnahme versicherungsfremder Leistungen nicht passiert. Schade finde ich, dass man bei einer solidarischen Lösung unter Einbeziehung der privaten Pflegeversicherung nicht weitergekommen ist. An der Aussetzung der Tariftreue-Regelung werden viele Diskussionen entbrennen. Die Regeln haben ihr Ziel erreicht: Die Löhne und Gehälter befinden sich nun auf einem angemessenen Niveau. Es ist aber auch klar, dass das System die hohen Steigerungsraten nicht weiter aushalten kann. Trotzdem braucht es eine Refinanzierung der Löhne, alles andere wäre für viele Betreiber tödlich. Die Lösungen zur Digitalisierung finde ich gut. Insgesamt gibt es ein paar gute Ansätze, aber die großen Fragen bleiben ungeklärt."

Kathrin Scharfenberg, Geschäftsführerin des Josias-Löffler-Diakoniewerks Gotha: "Das Gesetz ist der Versuch, ein Pflaster auf die Wunde zu kleben, aber es wird das Problem nicht beheben. Ich sehe nichts Positives darin. Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir auch unter diesen Rahmenbedingungen Neues schaffen und entwickeln können. Es wird nicht besser, sondern einfach nur anders. Damit müssen wir mutig umgehen. Was die Aussetzung der Tariftreue-Regelung angeht, glaube ich nicht, dass wir Probleme haben werden, unsere Gehälter zu refinanzieren. Allerdings können andere, die außerhalb der Tarife bezahlen dann bessere Pflegedienst- und Einrichtungsleitern andere Angebote machen als wir."

Frédéric Lauscher, der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Alten- und Behindertenhilfe: "Es gibt überhaupt nichts, was ich daran positiv finden kann. Es ist das verrückteste und schlechteste Gesetz, das ich in der Pflege erlebt habe. Die Menschen, die professionelle Pflege brauchen, werden von Anfang an im Stich gelassen. Wir sind das einzige Land auf der Welt, das mit dem Pflegegeld dafür bezahlt, dass Menschen keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Es ist der größte Posten in der Pflegeversicherung. Warum man jetzt bei den Menschen, die ambulante und stationäre professionelle Pflege wirklich brauchen, erneut Einschnitte vornimmt, ist mir völlig schleierhaft. Am irrsten ist aber die Pflegebegleitung, die von den Pflegekassen übernommen werden soll. Dafür muss man überschlägig 10.000 Menschen einstellen, die dann in der praktischen Pflege fehlen."

Christian Potthoff, Geschäftsführer der Diakonie Michaelshoven: "Ich finde, dass das vorgelegte Pflegeneuordnungsgesetz durchaus Chancen für neue Geschäftsmodelle bietet. Das Thema Prävention ist interessant, ebenso wie die Frage, wie wir die Änderungen beim Pflegegrad 1 und weitere Budgets in unserem Alltag integrieren können. Ich finde es gut, dass innovative Versorgungsangebote nach den Bedürfnissen der Kunden in Sondervereinbarungen mit den Pflegekassen vereinbart werden können, um dort ins Machen zu kommen."