Wenn Rekord-Eigenanteile schlechte Stimmung schaffen
Pflegeheimbewohner werden weiterhin durch steigende Eigenanteile stark belastet. Nach neuen Zahlen des Wissenschaftliches Institut der AOK (Wido) liegen die durchschnittlichen Eigenanteile inzwischen bei mehr als 2.600 Euro im Monat. Erstmals überschreiten die Gesamtkosten eines Heimplatzes die Marke von 5.000 Euro. Der Trägerverband VDAB rät Betreibern die Ursachen der Kostensteigerungen gegenüber aufgebrachten Kunden klar zu benennen und einen Informationsabend zu veranstalten.
Jens Schünemann
In Nordrhein-Westfalen, in Bremen und im Saarland liegen die Eigenanteile weit über dem Durchschnitt
Die Eigenanteile für Bewohner von Pflegeheimen haben Ende 2025 ein neues Rekordniveau erreicht. Nach Wido-Berechnungen liegen die Eigenanteile mit durchschnittlich 2.600 Euro deutlich über dem Niveau von 2021, als Zuschläge zur Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile eingeführt wurden.
Auffällig sind die regionalen Unterschiede. Während Pflegeheimbewohner in Nordrhein-Westfalen Ende 2025 im Schnitt 2.969 Euro im Monat selbst zahlen mussten, lag der Wert in Sachsen-Anhalt bei 2.111 Euro. Ein Ausreißer ist Bremen mit durchschnittlich 3.600 Euro. Nach einer Analyse des Institut der deutschen Wirtschaft von Ende 2025 wird dieser Wert vor allem durch zwei Pflegeintensiveinrichtungen mit sehr hohen Eigenbeteiligungen geprägt.
Wie reagieren auf Beschwerden wegen steigender Eigenanteile?
In der öffentlichen Debatte ist häufig von einem "Kostenschock", "Kostenfalle" oder "explodierenden Pflegeheimkosten" die Rede. Dabei entsteht leicht der Eindruck, Pflegeheime würden die Preise eigenständig erhöhen. Das sei bekanntermaßen ein Missverständnis, sagt Thomas Knieling, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB). Die Einrichtungen dürften keinen Cent mehr verlangen, als in den Pflegesatzverhandlungen mit den Pflegekassen vereinbart worden sei. Grundlage dieser Vereinbarungen seien vor allem gestiegene Löhne in der Pflege sowie höhere Sachkosten.
Knieling rät Betreibern und Einrichtungsleitungen bei vermehrten Nachfragen oder Beschwerden offensiv zu informieren. Auch Informationsveranstaltungen für Bewohner und Angehörige könnten helfen. Sie geben dem Betreiber die Möglichkeit, die Zusammenhänge genau zu erklären und die Erhöhungen detailliert zu erklären. Er zeige damit auch, dass er – genauso wie Bewohner und Angehörige – die Kostensteigerungen für ein nicht wegzudiskutierendes Problem halte.
Entlastung ist mittelfristig kaum in Sicht. Selbst bei moderaten Steigerungen von rund zehn Prozent würden die pflegebedingten Eigenanteile bis 2030 auf etwa 1.636 Euro im Monat steigen. Hinzu kommen vermutlich ebenfalls zunehmende Kosten für Unterkunft und Investitionen. Voriges Jahr mussten die Bewohner 1.044 Euro für die Pflege zuzahlen.
Detaillierte Zahlen zur regionalen Entwicklung und zu den einzelnen Kostenblöcken hat das Wido in einer ausführlichen Pressemitteilung veröffentlicht.