Baby mit zur Arbeit nehmen? Das geht!
Babys im Pflegeheim – und zwar nicht als Besucher. In zwei Häusern der Stiftung Liebenau bringen Mitarbeiterinnen ihre kleinen Kinder regelmäßig mit zur Arbeit. Möglich macht das ein New-Work-Konzept, das mehr Flexibilität im Arbeitsalltag schaffen soll. So erledigt eine stellvertretende Pflegedienstleiterin ihre Führungsaufgaben mit ihrem Sohn Linus an ihrer Seite. In einem anderen Haus kommt die Tochter einer Pflegefachkraft mit zum Dienst (Foto).
Stiftung Liebenau
Pflegefachkraft Mary La Mendola mit ihrer Tochter Sofia im Haus St. Antonius
Im Olga und Josef Kögel Haus in Ulm kehrte die stellvertretende Pflegedienstleiterin Christiane Vogel wenige Monate nach der Geburt ihres Sohnes in den Beruf zurück. Linus begleitet sie regelmäßig und ist inzwischen auch für Kollegen und Bewohner ein vertrauter Anblick. Selbst bei Audits oder Besuchen des Medizinischen Dienstes ist das Baby dabei. In einigen Monaten soll Linus in die Krippe wechseln.
Ein ähnliches Modell praktiziert die Stiftung Liebenau im Haus St. Antonius in Vogt im Landkreis Ravensburg. Dort bringt Pflegefachkraft Mary La Mendola ihre kleine Tochter Sofia mit. Für sie steht inzwischen sogar ein Laufstall im Haus. Einrichtungsleiterin Barbara Birnbaum sieht darin eine Möglichkeit, jungen Müttern einen früheren und sanfteren Wiedereinstieg zu ermöglichen und ihr Know-how im Unternehmen zu halten.
Über den Babybesuch freuen sich auch die Bewohner
Die Stiftung bezeichnet ihr Modell als New-Work-Konzept, das Beschäftigten mehr Selbstorganisation und Flexibilität ermöglichen soll. Babys am Arbeitsplatz sind dabei allerdings kein generelles Angebot für jede Tätigkeit. Entscheidend sei, dass es zu jeweiligen Arbeit passe und die Beschäftigten das Modell wünschten.
Für die Häuser hat die ungewöhnliche Form der Vereinbarkeit einen netten Nebeneffekt: Viele Bewohner reagieren positiv auf den Nachwuchs. Kinder und Jugendliche sind deshalb nicht nur Begleiter ihrer Eltern, sondern bringen auch mehr Austausch zwischen den Generationen in die Einrichtungen, heißt es bei der Stiftung.