Tägliche News für das Management von Pflege und Wohnen im Alter

6. August 2026 | 07:00 Uhr
Teilen
Mailen

Teilzeitkrank scheint vielen Unternehmen zu kompliziert

Nur 27 Prozent der Unternehmen halten die geplante Teilkrankschreibung für sinnvoll, fast die Hälfte lehnt sie ab. Besonders schwierig finden die Betriebe, den Zustand arbeitsfähig von arbeitsunfähig abzugrenzen und den organisatorischen Aufwand, so das Ergebnis einer Befragung des Ifo-Instituts unter knapp 1.000 Personalverantwortlichen aus unterschiedlichen Branchen. Immerhin gibt es in der Pflegebranche eine Einrichtung, die schon Erfahrung gesammelt hat: das "Haus Momentum" in Hammah in Niedersachsen.

Mit einer starken Erkältung lässt sich möglicherweise ein paar Stunden von zu Hause aus arbeiten, im Haus Momentum machen das sogar Pflegekräfte

Die Teilkrankschreibung ist inzwischen mehr als eine Idee: Der Bundestag hat sie im Juli mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz beschlossen, angewendet werden soll sie ab 2028. Vorgesehen ist, dass Beschäftigte, die voraussichtlich länger als vier Wochen ausfallen, freiwillig zu 25, 50 oder 75 Prozent weiterarbeiten können. Voraussetzung ist, dass Arzt, Beschäftigter und Arbeitgeber zustimmen, die Einzelheiten soll der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) festlegen.

Die Befragung des Ifo-Instituts in Kooperation mit dem Personalvermittler Randstad zeigt allerdings: 48 Prozent halten das Instrument für eher nicht oder gar nicht sinnvoll, nur 27 Prozent bewerten es positiv. 47 Prozent erwarten keine wesentlichen Vorteile. Zwar hoffen jeweils rund ein Drittel auf kürzere Fehlzeiten oder eine schnellere Rückkehr Erkrankter, doch 76 Prozent sehen Probleme bei der Abgrenzung zwischen Arbeitsfähigkeit und Arbeitsunfähigkeit. 57 Prozent rechnen mit zusätzlicher Organisation, 35 Prozent fürchten eine Überforderung erkrankter Beschäftigter. 

Im Haus Momentum von WH Care gibt es Teilzeitkrank auch für Pflegekräfte

Fast ein Drittel hält Teilkrankschreibungen im eigenen Betrieb grundsätzlich für nicht praktikabel. Nach Einschätzung der Personaler eignet sich die Teilzeitkrankschreibung vor allem für die Administration, 55 Prozent nennen sie als möglichen Einsatzbereich. Hier sieht auch das "Haus Momentum", betrieben von WH Care, den hauptsächlichen Einsatzbereich. Seit gut eineinhalb Jahren praktiziert das Haus das Teilzeitkrank – und zwar auch in der Pflege. Arbeit im Homeoffice biete sich nicht nur für Mitarbeiter aus der Verwaltung an, sagte Einrichtungsleiter Martin Matthews im Februar im Gespräch mit Care vor9: Auch Pflegefachkräfte könnten Dokumentation, Pflegeplanung, Telefonate mit Ärzten oder Beratungsgespräche mit Angehörigen von zu Hause erledigen. Ebenso komme eine Arbeit vor Ort im Hintergrund infrage, etwa das Stellen der Medikamente.     

Anzeige