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12. Januar 2024 | 07:00 Uhr
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Mailen

Eigenanteil für Pflegeheimbewohner steigt mehr als Zuschuss

Die finanzielle Belastung von Pflegeheimbewohnern erreicht einen neuen Höchststand. Wie der Verband der Ersatzkassen (VDEK) ermittelt hat, stieg der Eigenanteil für Bewohner im Bundesdurchschnitt um 165 Euro auf 2.576 Euro an, trotz Erhöhung der Zuschüsse durch das umstrittene Pflegeentlastungsgesetz PUEG. Innerhalb von nur sechs Jahren haben sich die monatlichen Beträge der Eigenbeteiligungen damit um mehr als 800 Euro erhöht.

Pflegeversicherung Foto iStock Stadtratte

Zwar erhöhen sich die Zuschüsse durch die Pflegeversicherung ab dem Jahr 2024, die gestiegenen Kosten für Unterkunft und Verpflegung verteuern aber insgesamt die Eigenbeteiligungen für die Heimplätze

Laut der jüngsten Zahlen kostet im bundesdeutschen Durchschnitt ein Pflegeheimplatz im ersten Heimjahr ab Januar 2024 monatlich 2.576 Euro, so die Analyse des VDEK. Im zweiten Aufenthaltsjahr zahlen Pflegebedürftige nun durchschnittlich 2.370 Euro im Monat. Im dritten Aufenthaltsjahr müssen sie weiterhin durchschnittlich 2.095 Euro aus eigener Tasche bezahlen. Und ab Jahr vier liegt die Eigenbeteiligung für den Pflegeheimplatz im Bundesdurchschnitt immer noch bei 1.750 Euro im Monat.

Somit hat sich bewahrheitet, was Experten schon länger befürchtet und angemahnt hatten. Trotz einer Erhöhung der Zuschüsse durch die Pflegeversicherung – im ersten Aufenthaltsjahr auf 15 Prozent (vorher 5%), im zweiten Jahr 30 Prozent (vorher 25%), im dritten Jahr 50 Prozent (vorher 45%) und ab dem vierten Jahr 75 Prozent (vorher 70%) – steigen die Kosten für die Eigenbeteiligung weiter an. Mit der Reform der Ampel-Koalition zum 1. Januar 2024 wird zwar der Kostenzuwachs bei längeren Verweildauern in den Heimen für die reine Pflege nun stärker abgebremst. Aber etwa auch die Zahlungen für Unterkunft und Verpflegung gingen weiter hoch.

Nach wie vor variieren die Kosten für die Heimbewohner stark je nach Bundesland. Am höchsten sind die selbst zu tragenden Kosten im Saarland mit im Schnitt 2.981 Euro pro Monat im ersten Jahr im Heim. Baden-Württemberg (2.907 Euro) und Nordrhein-Westfalen (2.892 Euro) folgen auf den Plätzen zwei und drei. Am günstigsten sind die Heimplätze im ersten Jahr im Heim in Sachsen-Anhalt mit durchschnittlich 2.017 Euro Eigenanteil im Monat.

Die höheren Zuschüsse der Pflegekassen kompensieren nicht den Anstieg der Kosten

"Die Heimplätze sind für die Pflegebedürftigen erneut teurer geworden. Die Erhöhung spiegelt die gestiegenen Personal- und Sachkosten wider. Die höheren Zuschüsse der Pflegekassen, wir rechnen hier mit einer Gesamtsumme von etwa fünfeinhalb Milliarden Euro für 2024, kompensieren den Anstieg aber nur zum Teil", rechnet die VDEK-Vorstandsvorsitzende Ulrike Elsner vor. Und sie erinnert daran, warum das System nicht funktioniert: "Würden die Bundesländer ihr politisches Commitment halten und die Investitionskosten übernehmen, würden die Pflegebedürftigen um aktuell 485 Euro monatlich entlastet." 

Carola Reimann, Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, nennt einen zweiten Eckpfeiler, der zur Entlastung der Pflegeheimbewohner beitragen würde: "Eine Maßnahme, die schnell umsetzbar wäre, ist die Herausnahme der Ausbildungskosten aus den Eigenanteilen. Dies würde die Pflegebedürftigen in den Heimen auf einen Schlag um etwa eine Milliarde Euro entlasten. Und es ist gar nicht einzusehen, warum die Kosten für diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe eigentlich bei den Pflegebedürftigen abgeladen werden, statt sie aus Steuermitteln zu finanzieren."

Kritik an den gestiegenen Kosten kommt auch vom Arbeitgeberverband Pflege (AGVP). "Jedes Mal, wenn der VDEK höhere Eigenanteile meldet, reagiert die Politik alarmiert", so AGVP-Präsident Thomas Greiner. "Dabei war schon bei der 'Konzertierten Aktion Pflege' klar, dass es die begrüßenswerte Erhöhung der Löhne für Pflegekräfte nicht zum Nulltarif geben kann. Und auch heute gilt wieder in der Pflegepolitik: Die Politik bestellt und wenn die Rechnung kommt, wird die Zeche geprellt."

Pascal Brückmann

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