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7. August 2023 | 19:30 Uhr
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Geld allein überzeugt den Nachwuchs in der Pflege nicht

Das Mantra für eine bessere Bezahlung in der Pflege hat gewirkt, doch der Run auf Berufe bleibt aus. "Geld pflegt nicht", ist das ernüchternde Fazit von Silke Gerling, Diakoniewerk Essen und Sprecherin der Ruhrgebietskonferenz-Pflege, es erhöhe nur die Kosten, ohne das Image zu verbessern. "Wir sehen keinerlei Zuwachs bei den Bewerberzahlen." Die Initiative setzt vielmehr auf einen neuen gesellschaftlichen Umgang mit der Pflege und Innovationen.

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Mehr Geld hat offenbar nicht zu einem besseren Image des Pflegeberufs geführt

Das Einstiegsgehalt einer examinierten Pflegekraft beträgt deutlich über 3.000 Euro, die Pflege-Azubis zählen verglichen mit anderen Berufen zu den Spitzenverdienern. Eigentlich müssten die Bewerber Schlange stehen, doch das Gegenteil scheint der Fall zu sein, so die Ruhrgebietskonferenz Pflege in einem Statement. Die Zahl der Pflege-Azubis ist sieben Prozent rückläufig und "manche Pflegeschulen melden aktuell sogar einen Bewerberrückgang von fast 30 Prozent". 

Mit Geld gegenzusteuern erweise sich als Rohrkrepierer, so die Praktiker. Ulrich Christofczik, Vorstand des Christophoruswerkes und der Evangelischen Altenhilfe in Duisburg, ist überzeugt, "dass über Gehaltssteigerungen Image und Attraktivität der Pflege nicht verbessert werden können". Es brauche in Deutschland auch "einen neuen gesellschaftlichen Umgang mit der Pflege und eine grundlegende Neuausrichtung der Pflegepolitik".

Thomas Eisenreich vom Betreuungsdienst Home Instead präferiert die Einführung eines persönlichen Pflege- und Betreuungsbudgets. Außerdem fordert er mehr Freiraum für unternehmerische Lösungen. "Statt Verordnungen und Gesetze braucht es die Möglichkeit, regional und zielgruppenspezifisch neue Ansätze zu probieren und zu etablieren, ohne permanentes Anecken an den ordnungsrechtlichen, baurechtlichen und sonstigen Vorgaben. Wir sollten mehr Wagnis wagen und auf die Kompetenzen der Träger vertrauen."

Auch Unternehmensberater Roland Weigel, ebenfalls bei der Ruhrgebietskonferenz-Pflege aktiv, erhofft sich eine Zeitwende für die Pflege. "Um die Arbeitsbedingungen in der Langzeitpflege attraktiver zu machen, brauchen wir einen Innovations- und Investitionsfonds, mit dem moderne Technik und klimafreundliche – und damit hitzeresiliente – Arbeits- und Wohnorte realisiert werden können."

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