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20. April 2023 | 22:09 Uhr
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Jetzt geht auch die Doreafamilie in die Insolvenz

Dramatische Entwicklung im Pflegesektor: Nach Convivo, Hansa, Novent und Curata hat mit Doreafamilie am Donnerstag ein weiterer großer Pflegebetreiber Insolvenz angemeldet. Im Rahmen eines Schutzschirmverfahrens will sich das Unternehmen neu strukturieren und zukunftssicher aufstellen, so CEO Walter von Horstig (Foto). Man sei weder zahlungsunfähig noch überschuldet, versichert er. Doreafamilie beschäftigt 5.500 Mitarbeiter und betreut 7.500 Menschen. 

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Walter von Horstig hat den Chefposten bei Doreafamilie erst im Januar angetreten

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Die Geschäftsführung der Dorea GmbH hat beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg einen Antrag auf Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung gestellt. "In das Schutzschirmverfahren und die nachgelagerten weiteren Restrukturierungsverfahren sind etwa 25 operative Gesellschaften der Dorea-Unternehmensgruppe eingebunden", heißt es in einer Pressemitteilung. Dazu gehörten knapp die Hälfte der Pflegeheime sowie teilweise dort angeschlossene Einrichtungen des Betreuten Wohnens. 

Nicht alle Dorea-Einrichtungen betroffen

Bei einem Schutzschirmverfahren handelt es sich um eine besondere Form der Insolvenz, bei der das Unternehmen in vorläufiger Eigenverwaltung selbst einen Insolvenzplan erarbeiten kann, um sich neu aufzustellen. Die Geschäftsführung bleibt im Amt und bekommt einen Sachwalter zur Seite gestellt. Ob und wann das zuständige Insolvenzgericht dem Schutzschirmverfahren zustimmt, ist allerdings offen.

Die Geschäftsführung will nun in enger Abstimmung mit den Gläubigern und unter Aufsicht des Sachwalters einen Restrukturierungsplan ausarbeiten. Dieser soll noch im Sommer 2023 fertig gestellt werden. Denkbar sei sowohl eine Investorenlösung als auch ein Vergleich mit den Gläubigern. 

Dorea will die Restrukturierung bis zum Herbst 2023 abzuschließen. Ziel der Verfahren sei es, "eine möglichst große Anzahl von Einrichtungen auch künftig erfolgreich weiter betreiben zu können", so das Unternehmen. Ein großer Teil der Unternehmensgruppe sei von den Verfahren nicht betroffen und soll ohne Änderung für Bewohner und Mitarbeiter weiter betrieben werden. 

Schieflage durch steigende Kosten ohne Refinanzierung

"Für die Pflegebedürftigen, die in den betroffenen Einrichtungen und ambulanten Diensten versorgt werden, ändert sich während der Durchführung der Verfahren nichts", sagt Dorea-Geschäftsführer Dr. Walter von Horstig, der erst im Januar angetreten ist. "Unser Geschäftsbetrieb geht ganz normal und in vollem Umfang weiter." 

"Wie viele Pflegeanbieter steht die Dorea-Gruppe aufgrund der enorm gestiegenen Kosten für Energie, Miete und Material wirtschaftlich unter Druck", begründet Horstig die Schieflage. Diese teils massiven Kostensteigerungen seie in den jährlich mit den Pflegekassen ausgehandelten Budgets nicht vorgesehen und könnten aus den laufenden Einnahmen nicht refinanziert werden. Das gelte auch für die durch das Gesetz zur Tariftreue erfolgten deutlichen Gehaltssteigerungen.

Dorea einer der Großen in Deutschland

Die Dorea-Gruppe zählt zu den größten privaten Pflegedienstleistern in Deutschland. Der Schwerpunkt liegt auf der klassischen Altenpflege mit nahezu 80 stationären Einrichtungen. Hinzu kommen 17 Standorte mit Betreutem Wohnen sowie neun ambulante Pflegedienste. Insgesamt beschäftigt Dorea rund 5.500 Mitarbeiter und betreut rund 7.500 pflegebedürftige Menschen. Der Jahresumsatz der Gruppe lag 2022 bei rund 280 Millionen Euro. 

Dorea wurde erst 2015 gegründet und ist seit 2020 Teil der französischen Groupe Maisons de Famille (GMDF), die wiederum der französischen Milliardärsfamilie Mulliez gehört. Laut Wirtschaftswoche habe die deutsche GMDF-Holding mit Sitz in Berlin schon länger Probleme und 2020 mehr als 120 Millionen Euro Verlust gemacht. Gesellschafterdarlehen seien umgewandelt und die Rücklage erhöht worden. Mittlerweile seien die Reserven aber aufgebraucht.

Thomas Hartung

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