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14. November 2023 | 07:00 Uhr
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Kassen für schlechte Pflegequalität in der Verantwortung

Auch sechs Wochen nach Erscheinen schlägt der "Qualitätsatlas Pflege" noch hohe Wellen. Beklagt werden unter anderem der hohe Einsatz von Beruhigungsmitteln und die Zahl der vermeidbaren Krankenhauseinweisungen in Nordrhein-Westfalen. Doch das wollen die Unternehmen der Ruhrgebietskonferenz Pflege nicht auf sich sitzen lassen. Sie sehen die Krankenkassen als Kostenträger in der Verantwortung.

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Für eine bessere Pflegequalität müssten die Kassen bessere Strukturen schaffen, sagen die in der Ruhrgebietskonferenz engagierten Pflegeunternehmen

"Die AOK zerrt alljährlich die Dienstleister der Pflege am medialen Nasenring in eine Manege, deren Ausstattung und Qualität sie selbst zu verantworten hat", ärgert sich die Ruhrgebietskonferenz Pflege, in der sich mehrere Dutzend Pflegeunternehmen aus der Region zusammengeschlossen haben. "Statt ständig scheinbar aufklärerisch über vermeintliche und tatsächliche Missstände einen Statusbericht zu verfassen, sollten sich die Kassen als Kostenträger endlich Gedanken über deren Beseitigung machen", heißt es in einem Statement.

Modellprojekte werden nicht zur Normalität

Als ein Beispiel nennt die Ruhrgebietskonferenz Pflege die "vermeidbaren Krankenhauseinweisungen" aus dem AOK-Bericht. Das sei aus Sicht aller Beteiligten tatsächlich ein überaus wichtiges Thema. "Wir können sie schon heute mit vorhandenen technischen Mitteln um bis zu 40 Prozent reduzieren. Das zeigen Modellprojekte, in denen digitalen Arztvisiten in stationären Einrichtungen erprobt worden sind", so die Pflegeunternehmer.

Die technischen Mittel seien praxistauglich und erschwinglich. Das hätten Modellprojekte – auch der AOK – bewiesen. "Jetzt müssten wir uns doch die Frage stellen, warum diese Erkenntnisse nicht genutzt werden und aus dem Modell nicht die Normalität wird", fragt die Ruhrgebietskonferenz Pflege. Hier seien die Kassen die Bremser, "Planungsriesen aber leider Umsetzungszwerge".

Kassen für Strukturen in der Pflege verantwortlich

Ein weiteres Problemfeld im AOK-Qualitätsbericht sei die Arzneimittel-Therapiesicherheit. Hier hätten Modellprojekte gezeigt, dass "durch eine kontinuierliche und kooperative Kommunikation zwischen Ärzten, Apothekern und Pflegeeinrichtungen der Einsatz von Medikamenten und insbesondere Beruhigungsmitteln deutlich reduziert werden könnte". Qualitätszirkel und gemeinsame Videokonferenzen wären einfache, aber wirksame Instrumente, so die Ruhrgebietskonferenz Pflege. Dafür müssten aber Geldmittel bereitgestellt werden. 

"Wir haben im Gesundheitssystem vielerorts kein Wissens- sondern ein Umsetzungsdefizit", so die engagierten Unternehmer der Ruhrgebietskonferenz. "Die Kostenträger sind in Sachen Qualität gefordert, die Initiative zu ergreifen und für die notwendigen Strukturen zu sorgen. Wenn ihnen dazu von der Politik der Auftrag oder die Mittel fehlen, müssen sie sich dafür einsetzen, dass die Politik sich bewegt."

Thomas Hartung

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