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29. September 2023 | 07:00 Uhr
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Mailen

Lauterbach verspricht mehr Verantwortung für die Pflege

Gleich zu Beginn des Pflegetags eine Klatsche für Schirmherr Karl Lauterbach. 92 Prozent der Bundesbürger haben kein Vertrauen in die Pflegepolitik, dass sie die Probleme in den Griff bekommt. Der Gesundheitsminister ging darauf allerdings nicht ein, er versprach vielmehr ein Gesetz, dass Kompetenzen der Pflege deutlich erweitert. Wasser auf die Mühlen von Pflegeratspräsidentin Christine Vogler, die nicht müde wird für die Gleichstellung des Berufsstands zu kämpfen.

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Rund 3.500 Teilnehmer haben sich zum Deutschen Pflegetag angemeldet, so Veranstalter Jürgen Graalmann, der Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und Pflegeratspräsidentin Christine Vogler anmoderierte

"Wir werden ein Gesetz machen, wo es um die Frage geht: Was darf Pflege, was kann Pflege, was soll Pflege?" Hier müsse es zu einer deutlichen Erweiterung kommen, sagt Lauterbach. "Wir nutzen das Potenzial der Pflege viel zu wenig", so der Minister. Er wolle eine Gesundheitsversorgung erreichen, die Pflege integriert. Die Brüche zwischen Pflegekräften und Ärzten stünden einer guten Versorgung entgegen. "Wir brauchen unbedingt – und daran arbeiten wir – ein Gesetz, das die Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten von Pflege deutlich erweitert."

Diese Ankündigung von Lauterbach ist Wasser auf die Mühlen von Christine Vogler. "Wir müssen das Potenzial der beruflich Pflegenden nutzen, um die Pflege- und Gesundheitsversorgung zu sichern", so die Pflegeratspräsidentin in ihrer Rede. Schon lange fordert sie mehr Befugnisse für Pflegefachpersonen. "Die gesundheitliche Versorgung lässt sich nur verbessern, wenn Pflegefachpersonen ihren Beruf im Bereich von pflegerischer Diagnostik, Therapie und Betreuung souverän ausüben können. Die Übertragung von Heilkundetätigkeiten ist dabei unerlässlich." Hier sei die Ärzteschaft der Bremser.

Die Bevölkerung weiß Vogler bei ihrem Anliegen hinter sich, zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Bosch Health Campus. Demnach stimmen 73 Prozent der Befragten für mehr Verantwortung für Pflegefachkräfte. 79 Prozent würden eine medizinische Ersteinschätzung, eine körperliche Erstuntersuchung oder die Behandlung von Bagatellerkrankungen von akademisch ausgebildeten Pflegefachkräften vornehmen zu lassen. Über 70 finden, auch die Koordination von Versorgungsleistungen sowie die Routinebetreuung von Patienten mit stabiler chronischer Erkrankung kann von studierten Pflegekräften übernommen werden.

Vernichtend fällt dagegen das Urteil der Befragten über die Pflegepolitik aus. 92 Prozent haben eher wenig oder gar kein Vertrauen, dass die Politik in Zukunft eine qualitativ hochwertige und bezahlbare pflegerische Versorgung sicherstellen kann. Und 72 Prozent der Befragten denken, dass der Bundesgesundheitsminister bei der Sicherung der Fachkräfte in der Pflege nicht die richtigen Prioritäten setzt.

Thomas Hartung

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