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6. März 2026 | 07:00 Uhr
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Mehr als ein Drittel aller Heimbewohner braucht Sozialhilfe

Die Zahl der Pflegeheimbewohner, die Sozialhilfe beziehen, erreicht einen neuen Höchststand. Laut einer Analyse des Gesundheitsökonomen Heinz Rothgang im Auftrag der DAK-Gesundheit benötigen 2026 bereits 37 Prozent der Bewohner Unterstützung vom Sozialamt. Ohne Reformen könnte die Quote bis 2035 auf rund 43 Prozent steigen. Als Gegenmittel sieht der Bremer Wissenschaftler eine Deckelung der Eigenanteile vor. Branchenvertreter warnen unterdessen davor, die Debatte auf Pflegeheime zu verengen.

Für die Eigenanteile, die oft schon bei über 3.000 Euro liegen, reichen Rente und Ersparnisse vieler Heimbewohner nicht aus 

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Handlungsbedarf erkennen: WLAN-Zugang wird zur Pflicht

Seit der Corona-Pandemie ist klar, wie wichtig Internetzugang für soziale Kontakte vulnerabler Gruppen ist. Laut MDK (2023) boten nur 63 Prozent der Heime Bewohnern Internet im Zimmer. Bis 2025 soll eine bundesweite Regelung Internet und WLAN in Pflegeheimen verpflichtend machen. Mit Business WiFi von Vodafone steht eine einfache Lösung aus einer Hand bereit. Care vor9

Die soziale Pflegeversicherung sollte ursprünglich verhindern, dass Pflegebedürftigkeit in die Armut führt. Dieses Ziel gerät zunehmend in Gefahr. Rund 309.000 Bewohner erhalten bereits Hilfe zur Pflege – das sind 37,1 Prozent, das bedeutet ein Anstieg von 1,5 Prozentpunkte innerhalb von zwei Jahren. 2024 betrug der Anteil der Sozialhilfeempfänger im Heim 35,6 Prozent, 2025 stieg er um über einen Prozentpunkt auf 36,8 Prozent. 

Treiber dieser Entwicklung sind vor allem steigende Eigenanteile in den Einrichtungen. DAK-Chef Andreas Storm spricht deshalb von einer "konkreten Armutsfalle Pflege". Das Vertrauen in die Pflegeversicherung schwinde. Storm fordert eine grundlegende Reform der Finanzierung. Pflegekosten müssten künftig auf mehrere Schultern verteilt werden – Beiträge, Eigenanteile und Steuermittel.

Leistungszuschläge dämpfen Kostenanstieg

Die Analyse zeigt aber auch, dass die seit 2022 geltenden Leistungszuschläge für Heimbewohner die Entwicklung zumindest bremsen. Ohne diese Zuschläge läge die Sozialhilfequote heute bereits bei rund 45 Prozent und würde bis 2032 sogar über 50 Prozent steigen. Die Leistungszuschläge wieder abzuschaffen oder deutlich zu kürzen, hätte laut Studie "katastrophale Effekte".

Auch Pflegeleistungen regelmäßig an Inflation oder Löhne anzupassen, also zu dynamisieren, wie Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) vorgeschlagen hat, lösten das Problem kaum, meinen Rothgang und Storm. Selbst bei jährlicher Anpassung läge die Sozialhilfequote im Jahr 2035 weiterhin über 42 Prozent. 

Deckelung der Eigenanteile würde Steuerkasse belasten  

Deutlich effektiver wäre laut Rothgang eine Begrenzung der pflegebedingten Eigenanteile im Heim. In den Berechnungen wurden verschiedene Deckelvarianten untersucht, etwa Höchstbeträge von 1.000 oder 1.200 Euro im Monat. In diesen Szenarien würde die Sozialhilfequote auch 2035 zwischen 32 und 37 Prozent liegen – also unter dem heutigen Niveau.

Allerdings hätte diese Lösung einen hohen Preis. Ein Eigenanteilsdeckel von 1.200 Euro würde bereits 2027 zusätzliche Ausgaben von rund 2,2 Milliarden Euro verursachen. Bis 2035 könnten die Mehrkosten auf 8,6 Milliarden Euro steigen. Ohne zusätzliche Steuermittel müsste der Beitragssatz zur Pflegeversicherung entsprechend erhöht werden.

Storm warnt deshalb vor halbherzigen Maßnahmen. "Gegen die prekäre Struktur- und Finanzdynamik in der Pflegeversicherung hilft kein Stückwerk", sagt er. Notwendig sei eine umfassende Reform.

Trägerverband VDAB fordert Blick auf alle Pflegesettings

Thomas Knieling, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB), mahnt, die Debatte nicht nur auf Pflegeheime zu konzentrieren. In der öffentlichen Diskussion stehe meist der Eigenanteil in Pflegeheimen im Mittelpunkt. Die Kostenentwicklung betreffe aber ebenso die ambulante und teilstationäre Pflege.

Dort zeige sich der Druck häufig anders: Pflegebedürftige verzichteten zunehmend auf Leistungen, weil sie sich diese nicht mehr leisten könnten. "Hier wirkt sich der Kostendruck in der Regel wie eine Leistungskürzung aus", so Knieling. Die nächste Pflegereform müsse deshalb alle Versorgungsbereiche zusammen denken. 

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