Steigende Löhne werden für Träger zum Hauptproblem
Steigende Personalkosten sind für soziale Träger und Pflegeanbieter binnen eines Jahres zur größten Sorge geworden. Im aktuellen Trendbarometer von Sozialgestaltung und Sozialbank nennen 59 Prozent der mehr als 150 befragten Branchenvertreter die Lohnkosten als zentrales Problem – ein Plus von 49 Prozentpunkten. Gleichzeitig wollen 51 Prozent ihre Auslastung verbessern, viele verschieben Investitionen in Immobilien. Die Diskussion um eine begrenzte Tarifrefinanzierung dürfte die Stimmung beeinflusst haben.
Jens Schünemann
Steigende Lohnkosten nannten voriges Jahr nur zehn Prozent der Befragten als zentrales Problem
Dokumentation sicher im Griff
Orientierungshilfen (SIS & BI) und Formulierungshilfen (AEDL) unterstützen Sie bei der Planung des Pflegeprozesses und der Dokumentation nach Expertenstandards – für mehr Sicherheit im Pflegealltag. Kompakt, klar, immer griffbereit. Jetzt bestellen
Das achte Trendbarometer der Sozialgestaltung im Auftrag der Sozialbank zeigt eine Branche, die sich zunehmend auf Stabilisierung und wirtschaftliche Steuerung konzentriert. Besonders auffällig: Die Sorge über steigende Lohnkosten hat innerhalb eines Jahres extrem zugenommen. Mehr als die Hälfte der Befragten nennt sie inzwischen als zentrale Herausforderung, im Vorjahr waren es nur zehn Prozent.
Die Umfrage lief zwischen dem 18. März und dem 12. April 2026 – also genau in der Phase, in der die Finanzkommission Gesundheit ihre Vorschläge zur Beitragsstabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung präsentierte. Dazu zählte auch, Pflegeanbietern die vollständige Refinanzierung tarifbedingter Personalkosten teilweise zu streichen. Die Debatte dürfte die Einschätzungen vieler Teilnehmer beeinflusst haben.
Viele Träger haben keinen guten Überblick über ihre Belegung
Auffällig ist auch der Blick auf die Auslastung. 51 Prozent der Organisationen wollen ihre Belegung optimieren. Das deutet darauf hin, dass viele Einrichtungen ihre Kapazitäten noch nicht vollständig ausschöpfen oder stärker steuern wollen. Dazu passt ein weiteres Ergebnis: Nur knapp die Hälfte der Organisationen erhält überhaupt monatliche Belegungsdaten im Reporting, bei rund einem Drittel kommen die Zahlen laut Studie nicht rechtzeitig genug für eine wirksame Steuerung.
Trotz der angespannten Lage investieren viele Träger weiter in Personal und neue Geschäftsmodelle. 76 Prozent priorisieren Personalinvestitionen, 49 Prozent die Weiterentwicklung ihres Geschäftsmodells. Sozialgestaltung-Geschäftsführerin Susanne Leciejewski sieht darin den Versuch vieler Organisationen, ihre "Zukunftsfähigkeit aktiv zu stärken".
Susanne Leciejewski: Aufschieben von Investitionen ist ein ernstzunehmendes Risiko
Zurückhaltender agieren die Einrichtungen dagegen bei Bau- und Modernisierungsvorhaben. 51 Prozent verschieben Immobilienprojekte ganz oder teilweise. Leciejewski warnt vor den Folgen: "Obwohl der Modernisierungsbedarf wächst, werden Investitionen aufgeschoben. Das ist ein ernstzunehmendes Risiko."
Insgesamt bewerten 42 Prozent der Befragten ihre wirtschaftliche Lage als angespannt oder eher angespannt. An der Umfrage nahmen mehr als 150 Branchenvertreter aus der Sozial- und Gesundheitswirtschaft teil.