12.600 Kilometer legen die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes Humanitas St. Georg in Duderstadt bei Göttingen mit den elf bis zwölf Dienstwagen durchschnittlich im Monat zurück. Vor einem Jahr kalkulierte Inhaberin Sonja Gerhardy mit rund 0,09 Cent Spritkosten je Kilometer. Inzwischen sind es 0,14 Cent.
Das macht einen deutlichen Unterschied: Statt rund 1.134 Euro fallen bei gleicher Fahrleistung 1.764 Euro im Monat an – 630 Euro oder knapp 56 Prozent mehr. Auf ein Jahr hochgerechnet wären das bei gleichbleibenden Preisen gut 7.500 Euro zusätzlich.
Allerdings hat sich die Lage erst in den vergangenen beiden Wochen so zugespitzt. Anfang des Jahres lagen die Kraftstoffpreise laut Gerhardy noch eher um zwei Euro je Liter. Der ADAC meldet aktuell im bundesweiten Durchschnitt 2,30 Euro für Super E10 und 2,42 Euro für Diesel.
Andere Kosten wiegen noch schwerer
Gerhardy reagiert auf den Anstieg dennoch vergleichsweise gelassen. Kraftstoff sei bei den Fahrzeugen noch einer der kleineren Kostenblöcke. Schwerer wögen die Arbeitszeit der Pflegekräfte im Auto sowie Leasing und Versicherungen, die ebenfalls teurer geworden seien. Ganz vermeiden lassen sich lange Strecken im ländlichen Raum nicht. Eine Tour von 100 Kilometern komme durchaus vor.
Zusätzliche Einsparungen über die Tourenplanung sieht Gerhardy kaum. Die Routen seien bereits stark optimiert, zudem nutzt der Dienst Tankkarten mit Vergünstigungen. Auch der Umstieg auf Elektroautos ist bislang keine einfache Alternative. Dafür müsste Humanitas zunächst in eine Ladeinfrastruktur investieren, die genügend Fahrzeuge zuverlässig versorgen kann.
Tanken zum günstigsten Zeitpunkt ist kaum planbar
Der ADAC empfiehlt derzeit, möglichst kurz vor 12 Uhr zu tanken, weil die Preise dann im Tagesverlauf häufig am niedrigsten sind. Für ambulante Pflegedienste lässt sich das nur schwer umsetzen. Bei Humanitas wird meist nach der Frühschicht getankt. „Uns als Dienst ist es natürlich nicht möglich, den günstigsten Zeitpunkt zum Tanken abzupassen“, sagt Gerhardy. Im ungünstigsten Fall treffe die notwendige Tankpause damit gerade auf einen Tageshöchstpreis.
Gerhardy ist auch stellvertretende Vorsitzende des Verbands Deutscher Alten- und Behindertenhilfe (VDAB). Auch wenn die Mehrkosten ihren eigenen Dienst derzeit nicht aus der Bahn werfen, sieht sie die Entwicklung für die Branche kritisch. Ambulante und teilstationäre Einrichtungen seien zwingend auf Mobilität angewiesen. Der VDAB fordert deshalb, höhere Kraftstoffkosten kurzfristig und unbürokratisch durch die Pflegekassen zu refinanzieren. Zudem solle die Politik eine erneute Senkung der Energiesteuer prüfen.
Kirsten Gaede
