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21. März 2024 | 07:00 Uhr
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Quartier-Pflege will alte Normen sprengen

Die Premiere für das Versorgungskonzept Quartier-Pflege rückt näher. Im bayerischen Landkreis Landsberg am Lech will Florian Kiel (Foto), Vorstand des Vereins Gesellschaft für Gemeinsinn, das Projekt erstmals mit einer Kommune umsetzen. Nachbarn kümmern sich gegen Bezahlung um pflegebedürftige Menschen in ihrem Quartier, koordiniert, begleitet und geschult von professionellen Pflegekräften. "Debatten über Qualifizierung in der Pflege können wir uns nicht leisten", sagt Kiel. "Mit Quartier-Pflege wollen wir die Normen in der Pflege neu setzen."

Florian Kiel Vorstand Gesellschaft für Gemeinsinn e.V.  Quartier-Pflege

Florian Kiel ist Vorstand der Gesellschaft für Gemeinsinn

Die Grundidee der Quartier-Pflege ist eine konzeptionelle Antwort auf die absehbare Personallücke in der Pflege. In kleinteiligen Einheiten, den Pflege-Quartieren, sollen künftig Netzwerke aus Angehörigen und Nachbarn entstehen, die durch ihre Arbeit im Bereich der ambulanten Pflege und Haushaltshilfe die Versorgung sicherstellen, inklusive Grundpflege.

In Landsberg am Lech soll auf der Ebene des Landkreises nun ein kommunaler ambulanter Pflegedienst aus Angehörigen und Nachbarn gegründet werden. "Dieser kommunale Eigenbetrieb wird für alle Gemeinden des Landkreises sowie für alle Nachbarn und Angehörigen im Landkreis die Quartier-Pflege rechtlich tragen", erklärt Kiel. 

Im Kern handele es sich um einen ambulanten Pflegedienst aus Nachbarn sowie Angehörigen, die in Teilzeit oder Vollzeit angestellt sind und aus Mitteln der Pflegeversicherung (Pflegesachleistung ambulant) bezahlt werden sollen. "Wir werden dazu einen Versorgungsvertrag mit der Pflegeversicherung abschließen", gibt sich Kiel optimistisch.  

Gleichwohl ist er sich bewusst, dass sein Verein mit dem neuen Ansatz dicke Bretter bohren und noch viel Überzeugungsarbeit für den Paradigmenwechsel leisten muss. Erst vor kurzem hat der Qualitätsausschuss Pflege eine Neuregelung beschlossen, die vorsieht, dass die Mindestqualifikation der Betreuungskräfte künftig einen Gesamtumfang von 160 Unterrichtsstunden sowie einem zweiwöchigen Betreuungspraktikum vorsieht. Gerade für Laien, die sich nur in einem geringen Umfang als Arbeitskraft innerhalb des Pflege-Quartiers engagieren können oder möchten, eine erhebliche Einstiegshürde.

Das Pilotprojekt in Landsberg ist bis zum Jahr 2028 angelegt und es stehen Mittel für die strategische Projektplanung und Umsetzung zur Verfügung. "Wir müssen hier im Kleinen zeigen, wie Quartier-Pflege als neues, tragfähiges Konzept funktionieren kann und dann können wir es deutschlandweit mit stabilen Strukturen ausrollen", erklärt Kiel die Zielsetzung.

Pascal Brückmann

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