News für das Pflegemanagement

Bertelsmann Stiftung warnt vor zu viel Angehörigenpflege

Die Bertelsmann Stiftung warnt, den Pflegebedarf vor allem durch Angehörige aufzufangen. Bis 2045 könnte der Anteil pflegender Angehöriger im Erwerbsalter von 8,7 auf 13,3 Prozent steigen. Das würde den Fachkräftemangel verschärfen und vor allem Frauen beruflich zurückwerfen. Die Regierung setzt dagegen weiterhin auf den Vorrang häuslicher Pflege und die Pflegebereitschaft von Angehörigen.

Nach einer Vorausberechnung der Bertelsmann Stiftung und der Prognos AG könnten 2045 rechnerisch 229.000 Vollzeitstellen durch die eingeschränkte Erwerbstätigkeit pflegender Angehöriger verloren gehen. Für 2026 beziffert die Studie diesen Verlust auf 184.000 Vollzeitstellen. Bleiben die bisherigen Muster bestehen, könnten 2045 rund 580.000 Frauen wegen ihrer Pflegeverantwortung weniger oder gar nicht erwerbstätig sein.

Die Stiftung fordert deshalb bessere Möglichkeiten, Pflege und Beruf zu vereinbaren. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg und ein leichterer Zugang zu professioneller Pflege, insbesondere Tages- und Kurzzeitpflege. Ein geplantes Familienpflegegeld sollte die partnerschaftliche Aufteilung der Pflege fördern.

Regierung hält am Vorrang häuslicher Pflege fest

Der Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes sieht weiterhin vor, dass die Pflegeversicherung vorrangig die häusliche Pflege und die Pflegebereitschaft von Angehörigen, Nahestehenden und Nachbarn unterstützt. Zugleich soll sie dazu beitragen, Pflege und Beruf besser zu vereinbaren.

Der Arbeitgeberverband Pflege (AGVP) sieht sich durch die Studie der Bertelsmann-Stiftung bestätigt, denn er kritisiert schon länger, dass Regierung so stark auf Angehörigenpflege setzt. "Mehr Angehörigenpflege bedeutet weniger Erwerbsarbeit", kommentiert Präsident Thomas Greiner die Bertelsmann-Studie. Flexible Arbeitszeiten allein seien keine Lösung. "Angehörige sind keine stille Reserve, um Versorgungslücken zu schließen." Der Verband fordert, professionelle Pflege stärker in den Mittelpunkt der Reform zu stellen.

Die Studie "Informelle Pflege und Erwerbstätigkeit" steht auf der Website der Bertelsmann Stiftung zum Download bereit.