Pflege hält Krankmeldung am ersten Tag für sinnlos
Was halten Sie von den Regierungsplänen, die Krankmeldung ab dem ersten Tag gesetzlich verpflichtend zu machen? Auf diese Frage von Care vor9 haben die meisten Umfrageteilnehmer zurückhalten reagiert. 66 Prozent glauben nicht, dass es eine sinnvolle Maßnahme ist. Und das, obwohl vier von zehn Teilnehmern kurzfristiges Krankfeiern für ein ernstes Problem in ihrer Pflegeeinrichtung halten.
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Die Teilnehmer berichten besonders häufig von Krankmeldungen an Montagen, Freitagen, Wochenenden, Brückentagen sowie vor oder nach dem Urlaub
Das klassische Blaumachen ist in vielen Pflegebetrieben mehr als eine Randerscheinung. 40 Prozent der rund 250 Teilnehmer der Care-vor-Umfrage geben an, dass einzelne kurzfristige Krankmeldungen für ihre Einrichtung oder ihren Pflegedienst ein Problem darstellen. Weitere 36 Prozent sagen, solche Fälle kämen zwar vor, hätten aber wenig Einfluss auf den gesamten Krankenstand. Nur 24 Prozent sehen darin kein Problem.
In den Kommentaren berichten Teilnehmer besonders häufig von Krankmeldungen an Montagen, Freitagen, Wochenenden, Brückentagen sowie vor oder nach dem Urlaub. Manche beobachten das Verhalten vor allem bei jüngeren Beschäftigten oder wenn Dienstpläne nicht den Erwartungen entsprechen. "Kurzfristige spontane Ausfälle, wenn auch nur ein oder zwei Tage, sind arbeitsorganisatorisch schon ein Problem, vor allem wenn die Besetzung an dem Tag schon im Mindestbereich liegt", schreibt ein Teilnehmer.
Andere warnen vor den Folgen für die Belegschaft. Verdächtige Krankmeldungen belasteten nicht nur den Dienstplan, sondern auch jene Kollegen, die einspringen müssten. "Dies frustriert die Mitarbeiter, die sich wirklich nur krankmelden, wenn sie krank sind und ansonsten ihrer Arbeit gewissenhaft nachkommen", heißt es in einem Kommentar.
Mehrheit glaubt, dass sich Ausfälle durch die strenge Attestpflicht nur verlängern
Der politische Vorschlag, grundsätzlich vom ersten Krankheitstag an eine ärztliche Bescheinigung zu verlangen, findet dennoch wenig Zustimmung. Lediglich 22 Prozent glauben, dass dadurch die Zahl der Krankmeldungen sinkt. 66 Prozent erwarten keinen solchen Effekt, 13 Prozent sind unentschieden.
Ein Teil der Befürworter setzt auf eine abschreckende Wirkung. Wer für einen einzelnen freien Tag zunächst eine Arztpraxis aufsuchen müsse, werde sich eine Krankmeldung möglicherweise noch einmal überlegen. Ein Teilnehmer berichtet, er verlange bei bestimmten Mitarbeitern schon jetzt eine Bescheinigung vom ersten Tag an: "Da ist der Montag entspannter geworden." Andere Teilnehmer praktizieren die Regelung bereits seit Jahren und sehen darin kein Problem.
"Die Ärzte schreiben dann eine ganze Woche krank"
Deutlich häufiger äußerten die Befragten jedoch die Sorge, dass aus kurzen Ausfällen längere Krankschreibungen werden. Wer wegen Migräne, Magen-Darm-Beschwerden oder eines Infekts sonst nach ein oder zwei Tagen zurückgekehrt wäre, werde vom Arzt häufig gleich für drei bis fünf Tage oder eine ganze Woche krankgeschrieben. "Weniger Krankmeldungen vielleicht, aber die Krankmeldungen werden dann mindestens eine ganze Woche oder mehr betragen", lautet eine typische Einschätzung.
Mehrere Teilnehmer berichten aus eigener betrieblicher Erfahrung von diesem Effekt. "Wir hatten viele Jahre die betriebliche Regelung einer verpflichtenden AU ab dem ersten Tag. Die Ärzte schreiben dann eine ganze Woche krank, ohne AU würden viele Mitarbeiter nach drei Tagen wieder arbeiten", schreibt einer von ihnen. Die Maßnahme könne damit zwar einzelne Karenztage verhindern, zugleich aber die Summe der Ausfalltage erhöhen.
Hinzu kommt die Sorge, dass tatsächlich erkrankte Beschäftigte zum Arzt müssten, obwohl Ruhe für ihre Genesung ausreichen würde. Andere könnten trotz Erkrankung zur Arbeit kommen, um den Arztbesuch zu vermeiden. Gerade in Pflegeeinrichtungen hätte dies auch Folgen für Kollegen und Bewohner.
Hohe Krankenstände nicht überall die Regel
Die Care-vor9-Umfrage zeigt auch, dass die häufig genannten Durchschnittswerte von 34 oder 38 Krankheitstagen pro Beschäftigtem längst nicht überall üblich sind. Bei 54 Prozent der teilnehmenden Einrichtungen und Dienste liegt der Krankenstand zwischen 20 und 30 Tagen im Jahr. 26 Prozent melden sogar weniger als 20 Tage. Nur jeder fünfte Teilnehmer kommt auf mehr als 30 Krankheitstage.
Damit erreichen zwar 74 Prozent mindestens 20 Ausfalltage. Extrem hohe Werte betreffen innerhalb der Umfrage jedoch eine Minderheit. In den Kommentaren verweisen Teilnehmer zudem auf große Unterschiede innerhalb der Belegschaften. Während viele Beschäftigte nur selten fehlten, gebe es einzelne Langzeiterkrankte oder Mitarbeiter mit 50 bis 80 Ausfalltagen im Jahr.
Als Ursachen nennen die Befragten unter anderem Rückenbeschwerden, psychische und körperliche Belastungen, knappe Personalschlüssel sowie eine geringe Bindung an den Arbeitgeber. Die Attestpflicht vom ersten Tag bekämpfe daher allenfalls ein Symptom, aber nicht die Ursachen hoher Krankenstände. Ein Teilnehmer fasst diese Kritik so zusammen: "Wir müssen an die Ursachen heran – Analyse, Maßnahmen, bewerten, handeln."
Lesen Sie morgen in unserem Newsletter, was Care-vor9-Leser in der Umfrage vorschlagen, um die hohen Krankenstände zu senken.
Kirsten Gaede