Pflegeversicherung droht im Oktober das Geld auszugehen
Die soziale Pflegeversicherung hat im ersten Halbjahr 2026 ein Defizit von 770 Millionen Euro angehäuft. Laut GKV-Chef Oliver Blatt (Foto) reichen die Einnahmen ab Oktober voraussichtlich nicht mehr, um die Pflegeleistungen vollständig zu finanzieren. Für das Gesamtjahr erwartet der Verband ein Minus von 4,4 Milliarden Euro, für 2027 einen zusätzlichen Finanzbedarf von zehn Milliarden Euro.
Tom Maelsa
GKV-Chef Oliver Blatt sieht "Alarmstufe Rot" für die Pflegeversicherung
Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung sind im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um elf Prozent gestiegen, die Beitragseinnahmen dagegen nur um 3,9 Prozent. Als Gründe nennt der GKV-Spitzenverband vor allem die wachsende Zahl der Leistungsbezieher, höhere Kosten bei Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie steigende Zuschüsse zu den Eigenanteilen in der vollstationären Pflege.
"Die Pflege ist akut in Not. Es herrscht Alarmstufe Rot", sagt GKV-Vorstandschef Oliver Blatt. Selbst mit dem laufenden Notdarlehen von 3,2 Milliarden Euro und Mitteln aus dem Pflege-Ausgleichsfonds lasse sich das erwartete Defizit 2026 nicht vollständig schließen. Bis Jahresende fehlten schätzungsweise 500 Millionen Euro.
Verband fordert kurzfristige Finanzhilfen
Für 2027 rechnet der GKV-Spitzenverband mit einem zusätzlichen Finanzbedarf von zehn Milliarden Euro. Darin enthalten sind ein erwartetes Defizit von rund 7,5 Milliarden Euro sowie Mittel, um die Betriebsmittel der Pflegekassen wieder aufzufüllen.
Kurzfristig fordert der Verband vom Bund die Rückzahlung von rund 5,2 Milliarden Euro Corona-Schulden und die Übernahme der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. Das würde die Pflegeversicherung jährlich um rund 5,3 Milliarden Euro entlasten.